
Anfang der 1980er Jahre beschloss Firmenchef Ron Watson, es sei nun Zeit, komplett in Ruhestand zu gehen. Es kam zu einem Management "Buy-Out", bei dem die Angestellten Peter Machin und Cyril "Buster" Heath die Firma erwarben und 1983-84 wurde der Firmensitz von Birmingham nach Blockley, in ein altes Militärcamp auf der "grünen Wiese" in Gloucestershire verlegt.
Watsonian richtete sich in zwei alten Ziegelbauten ein, die ehemals Küchentrakt eines amerikanischen Lazaretts waren. Die Leitung des Unternehmens hatten Peter Machin als kaufmännischer Leiter und Cyril Heath in der Funktion des Cheftechnikers und Ersatzteilmanagers. Peter Machin's Ehefrau Mary, eine Tochter des früheren Werksleiters Cliff Bennett, erledigte die Buchhaltung.
Es war eher eine ruhige Zeit nach den hecktischen 50er Jahren, in denen Tausende von Beiwagen die große Fabrik in Greet, Birmingham pro Jahr verließen. Die Verkaufszahlen pendelten zwischen 100 und 200, hauptsächlich die Modelle der 60er Jahre wie GP, Monza, Palma und Monaco. Machin sah große Marktchancen und promotete heftig den neuen Oxford, ein Modell mit zwei Sitzreihen und Platz für drei Kinder nebst Mutter.
1986 regte sich im Zeichen des Motorradbooms in Deutschland auch die Nachfrage nach klassischen Seitenwagen wieder und so suchte der Kölner Peter Lohré den Kontakt zu dem englischen Traditionsunternehmen. Man wurde rasch handelseinig und jetzt gelangten die ersten Watsonian-Seitenwagen seit den 1930er Jahren ab 1986 wieder auf den deutschen Markt. Im ersten Jahr wurden 15 Stück abgesetzt, 1987 dann schon 45 und bis zum Ende des Jahrzehnts pendelte sich die Zahl der verkauften Beiwagen bei einhundert Stück und darüber pro Jahr ein.
Die IFMA in Köln im Jahr 1988 brachte durch den Kontakt mit dem südafrikanischem Flexit Erbauer Hannes Myburgh, der sein Flexit Pendel-Gespann auf dem Londoner Earls Court Messestand Watsonians ausstellen wollte, eine ganz neue Beziehung mit sich. Cyril Heath und Peter Machin besprachen mit den Squire Eignern Mike Raahauge und Peter Rivers Fletcher die Fusion ihrer beiden Firmen zur Watsonian-Squire Ltd., die dann Oktober 1988 erfolgte.
Es war keine glückliche Zeit für die junge Firmen-Neuschöpfung. England war auf dem Höhepunkt seiner Rezession. Verkäufe waren selten, Preise stiegen in atemberaubenden Tempo. Allein der Kollaps des Britischen Pfundes verhinderte Schlimmeres für den Export nach Deutschland. Neben internen Schwierigkeiten, bei denen Peter Machin aus der Geschäftsleitung ausschied, dominierten die Cashflow-Probleme den täglichen Ablauf der neuen Geschäftsleitung Mike Raahauge und Peter Rivers Fletcher.
Die Belegschaft wurde von 25 Leuten auf 9 alte Watsonian (Birmingham) Mitarbeiter abgebaut. Die Fiberglas-Fertigung wurde ausser Haus verlagert und damit zog man sich jede Menge Probleme zu, die die kontinuierliche Produktion behinderten. Mehr als einmal war kein Geld zur Bezahlung der Lieferanten vorhanden und der Betrieb wurde nur vom Support des deutschen Importeurs garantiert.
| Watsonian, Bilder zwischen 1984 - 2006 |
Anfang der 1990er besserte sich die Lage in England und Watsonian-Squire übernahm neben der Fertigung und Weiterentwicklung seiner Modellpalette den Import von Malaguti Rollern aus Italien. Dieser Schub belebte die alte Firma wieder und sorgte für die Arbeitsplätze etlicher neuer Mitarbeiter. Ein Großauftrag aus Moskau 1994, K75/ST3 Gespanne für Eskortzwecke des russischen Präsidenten Boris Jelzin brachte einen fetten £300.000 Umsatz für BMW (GB), Watsonian-Squire und eine Reihe anderer kleiner Firmen, wobei Watsonian-Squire Ltd. als Generalunternehmer fungierte.
Sternfahrt zum Jubiläum
Hiroko Shimba vom japanischen Watsonian Importeur Corofi fährt mit einer Yamaha DSC11 mit Watsonian GP 700 Beiwagen quer durch Russland zum Jubiläum nach England.
Völlig neue Zeiten brachen mit der Übernahme des Royal Enfield Imports Ende der 90er Jahre für Watsonian-Squire an. Die Seitenwagen und Anhänger Fertigung stellt nun nicht mehr den Hauptteil des Verkaufsvolumens dar. Etwa 1000 verkaufte Royal Enfield Motorräder pro Jahr sorgen für eine sichere Basis, um das 100 jährige Geschäftsjubiläum der alten Firma im Jahr 2012 zu erleben.
Unter dem Firmennamen HARGLO betreibt Watsonian-Squire seit 1993 ein florierendes Ersatzteilgeschäft mit Nachbauteilen sowie den Vertriebszweig Kindermotorräder.
Zu den anstehenden Aktivitäten des Firmenjubiläums im Sommer 2012 wird Hiroko Shimba vom japanischen Importeur Corofi mit einem Yamaha DSC 11 / Watsonian GP Maxi (700) Gespann eine Anreise von Japan über Russland nach Blockley zum Werk unternehmen, der sich weitere nationale und internationale Watsonian-Handelspartner anschließen wollen. Extra für das Jubiläum läßt Corofi einen Monaco MkI von 1956 restaurieren, der auf dem Gelände gezeigt werden soll.
Termin der Feierlichkeiten ist der 18. und 19. August 2012 auf dem Ausstellungsgelände Stoneleigh Parkin Warwickshire (GB). Watsonian Centenary Rally
Anschließend wäre auch ein Besuch des eine Woche später im Weisswampach, Luxembourg stattfindenden Europäischen-Gespanntreffens (EGT) möglich.
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